Sonntag, 2. Juni 2019

Was ist dir wichtig? - Was ist Gott wichtig?


Prediger 3,1-11 (Luther 2017)

"Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende."


Der oben erwähnte Text wird oft auf Hochzeiten vorgetragen und er hat mich schon immer fasziniert. 
Es geht darum, dass alles, aber auch wirklich alles im Leben, seine Zeit hat.

Hier werden die essenziellen Punkte des Lebens erwähnt, wie Geborenwerden und Sterben. Doch erwähnt der Autor dieses Textes auch das Genießen des Lebens, darüber hinaus die Trauer; das Bauen und Einreißen, das Weinen und das Lachen, das Zerreißen und das Zunähen.
Alles, was uns im Leben widerfahren kann, wird hier in diesem Text erwähnt.

Eines fällt mir an diesem Text auf: Mit keinem Wort wird "Angst" erwähnt. Obwohl so viele Menschen Angst haben und sich Sorgen machen, werden mit keinem Wort die Begriffe Angst und Sorge erwähnt. Der Begriff "Streit" wird hingegen schon verwendet. Selbst der Begriff "Töten" taucht auf. 

Das wirft die Frage auf: Warum wird der Begriff "Angst" in diesem Text der Bibel nicht verwendet?
Ich glaube deshalb, weil Angst der Glaube des Teufels ist und mit Gott rein gar nichts zu tun hat.

Auch wenn die Begriffe "Streit" und "Töten" wiedergöttlich sind, Gott also widersprechen, werden sie hier erwähnt. Nicht so der Begriff "Angst". Angst lähmt und der Teufel versucht, unseren Alltag zu lähmen mit der Angst und der Sorge um Dinge und Menschen.

Angst verzerrt die Realität. Vielleicht glaubst du, es geht in deinem Leben nicht weiter. Vielleicht kommst du über eine schlimme Krankheit nicht hinweg, vielleicht hast du ein Kind oder einen geliebten Menschen verloren und du kannst den Schmerz nicht abschütteln, vielleicht geht dir deine Arbeit auf die Nerven oder deine Familie und du glaubst, du kommst im Leben einfach nicht weiter.

Vielleicht glaubst du auch, dass du Gott egal bist. Dass du schon zu lange wartest, aber es passiert nichts und er hört dich gar nicht.

Das alles sind Lügen des Teufels, der versucht, einen Keil zwischen dich und Gott zu schieben. Etwas, das dich von Gottes Liebe und von seiner grenzenlosen Annahme trennen soll, damit du dich schwach fühlst und angreifbar für die Attacken des Teufels wirst.

Bekämpfe den Satan mit dem Wort Gottes, dem Schwert des Geistes.
Es ist mächtig gegen die Bollwerke und Mauern des Teufels. Es reißt sie ein.

Interessant finde ich auch, dass im Text, gleich zu Beginn, "pflanzen und ausreißen" und "töten" im Kontrast zu "heilen" erwähnt wird.

Wann pflanzt man etwas, das später wieder ausgerissen wird; warum tötet man, um dann wieder zu heilen?

Vielleicht ist das Gottes Art. Das Schmutzige, das unser Leben verletzt und schädlich für uns ist, auszureißen und Frieden, Freude und Liebe neu in unser Herz zu säen.

Vielleicht ist es Gottes Art zu töten, was uns zu schaffen macht, wie beispielsweise die Lügen des Teufels, und unsere Seele zu heilen von all den Verletzungen, vom Verrat durch Vergebung und vieles mehr. Auch wenn das für uns manchmal nur schwer oder unmöglich ist, bei Gott ist es möglich.
Er tut es.

Ich habe schon oft den folgenden Spruch gehört: "Gott saniert nicht, er baut neu." Manchmal reicht der Dreck in unserem Leben so tief, dass, wie bei einer Krebsoperation, alles entfernt werden muss, damit neue, gute Zellen wachsen können.
Die Wunde muss gesäubert werden, damit neues Leben überhaupt möglich ist.

Weiterhin finde ich aufschlussreich, dass im Text das Wort "abbrechen" verwendet wird. "Abbrechen und bauen hat seine Zeit". Vielleicht muss man manchmal ungesunde Freundschaften und Kontakte loslassen, sie quasi abbrechen, um sich selbst zu schützen.
Vielleicht auch ungesunde Gedanken oder Gefühle.
Manchmal muss man vielleicht auch aufhören, nach Lösungen zu suchen, die nur Gott einem sagen kann.

Was es auch sein mag, "abbrechen" hat ebenso seine Zeit wie "aufbauen".

Und dann die Eigenschaften, die jeder von uns kennt: "weinen und lachen", "klagen und tanzen".
Das hat auch seine Zeit. 
Wenn ich eine lange Phase der Trauer oder des Zweifelns hinter mir habe, wenn ich viel geklagt und geweint habe, dann ist vielleicht eine Zeit des Lachens und des Tanzens dran, die mir bevorsteht.
Wir müssen von Zeit zu Zeit lachen und tanzen, sonst ist das Leben nur schwer zu ertragen.

"Suchen, verlieren und behalten hat seine Zeit": Ich habe schon oft Dinge gesucht, die ich verlegt hatte. Oder wir suchen nach Lösungen für unsere Alltagsprobleme. Nach Auswegen aus dem Chaos.

Nicht nur "suchen", sondern auch das Thema "Verlust" wird angesprochen: "Verlieren" hat seine Zeit. "Behalten" hat seine Zeit. Wenn man oft umgezogen ist, muss man sich ständig neue Freunde suchen. Das kostet Zeit und Kraft. Der Verlust, wie auch immer geartet, ist schwer. Menschen zu verlieren oder den Kontakt zu ihnen zu verlieren, ist nicht leicht.

Wir wollen meist "behalten", wir wollen, dass sich nichts im Leben ändert. Alles soll doch so bleiben, wie es ist.

Und trotzdem verlieren wir Menschen und Dinge und finden neue. 

"Zerreißen und zunähen hat seine Zeit": Das erinnert mich an eine Operation. Der Bauchraum oder Brustkorb wird aufgeschnitten und nach getaner Arbeit wieder zugenäht.
Das bedeutet Veränderung. Es bedeutet auch, Narben zu hinterlassen, die Menschen oder Situationen verursacht haben.

"Schweigen und Reden hat seine Zeit": Man muss nicht immer reden, zuhören hilft dem anderen in mancher Situation mehr. Und manchmal ist es auch dran, endlich einmal zu reden, seine Sicht der Dinge mitzuteilen.

"Lieben und hassen hat seine Zeit": Hochspannend, lieben, ja klar! Aber hassen? Das hat offensichtlich auch seine Zeit. Wenn man von jemandem verraten oder gedemütigt wurde, kann man das nicht gleich vergeben. Man ist erst einmal zornig und hasst vielleicht auch. Das ist eine normale menschliche Reaktion auf einen Verlust oder eine Verletzung.

Selbst "Streit und Frieden haben ihre Zeit": Es wird sich wohl leider nicht vermeiden lassen, dass man im Leben mal streitet oder sich uneinig ist. Darüber zu reden, sich zu entschuldigen, kann wieder Frieden schaffen.
So könnte mancher Krieg vermieden werden.

Der Autor des Bibeltextes fast am Ende zusammen: "Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon." Ein trauriges Fazit.

Man könnte sich fragen: Warum dann das alles? Warum mühen wir uns ab. Warum waschen wir das Geschirr, wenn es ja doch wieder dreckig wird? Warum gehen wir zum Arzt, wenn wir ja doch wieder krank werden? 
Warum absolvieren wir eine Ausbildung oder ein Studium, um dann doch einen Job anzunehmen, der nicht dazu passt? Wozu das alles? Wo bleibt der Gewinn?

Vielleicht ist Gott der Gewinn gar nicht so wichtig. Der Gewinn, den wir uns vorstellen, zumindest. Vielleicht versteht Gott unter Gewinn, dass wir lernen, geduldig zu sein und ihm zu vertrauen. Während wir vielleicht auf eine Beförderung hoffen.

Und jetzt kommt der härteste Satz des ganzen Textes: 


"Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende."

Bitte was? Der Mensch soll sich mit seiner Arbeit plagen?! Warum? Was ist der Sinn dahinter?
Ich glaube, der Sinn ist nicht offensichtlich. Im ersten Moment erscheint dieser Satz hart. Aber ich glaube, dass Gott viel weiter sieht als wir. Das wird im Text mit den Worten erwähnt "er hat die Ewigkeit in ihr Herz gelegt". Gott sieht nicht nur dieses Leben hier auf der Erde. Er sieht weit darüber hinaus. Unser Leben als Christen endet nicht hier. Nur kurzzeitig durch den Tod. Aber danach geht es weiter, im Himmel, bei und mit Gott!

Wir lernen die Eigenschaften hier auf der Erde, mit denen wir im Himmel weiterleben. Eigenschaften, wie Geduld, Vertrauen, Liebe, Sanftmut, Frieden.

Das Leben auf der Erde erscheint manchmal sinnlos, ja. Warum? Die Antwort steht im letzten Satz des Textes. Weil "der Mensch das Werk, das Gott tut, nicht ergründen kann, weder Anfang noch Ende".

Wow. Das muss erst einmal verdaut werden. 

Hier kommt unser Vertrauen ins Spiel. Wir werden nie wissen, warum Gott wie handelt, welchen Zeitplan und welchen Plan er überhaupt für unser Leben hat. Vielleicht sehen wir manche Dinge im Nachhinein, aber das ganze Blueprint oder Muster werden wir wohl erst im Himmel erkennen.

Deshalb: Vertrauen ist nicht Wissen.


Montag, 6. Mai 2019

Hören versus Frieden


Psalm 85,9 (Luther 2017)

"Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten."

Hören - Frieden - Identität: Wie passt das zusammen? 

Auf den ersten Blick vielleicht gar nicht. Aber wie sieht es mit dem 2. Blick aus?
Man sollte bekanntlich immer zweimal hinschauen.

Hören: Immer wenn ich als Kind beim Arzt war und meine Mutter im Schlepptau hatte, schaute mir der Arzt demonstrativ in die Ohren und sagte absichtlich laut und zu meiner Mutter gewandt: "Die Ohren sind frei."
Das sollte so viel heißen wie: Wenn sie wirklich mal nicht hört bzw. gehorcht, dann liegt es nicht an den Ohren.

Kommt dir das bekannt vor? Geht es dir vielleicht auch manchmal so?
Du bittest Gott um etwas. Und du redest und redest und redest. Aber irgendwie hörst du keine Antwort von Gott.

Ich denke, manchmal sagt Gott vielleicht in diesem Moment wirklich nichts. 
Aber meist spricht er schon. Nur, wir hören ihn nicht, weil wir nicht auf ihn hören; mit anderen Worten, weil wir ihm nicht zuhören.

Meist hat Gott eine andere Vorstellung von unserem Leben, einen anderen Plan, eine andere Perspektive als wir.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich eine fixe Idee habe, versuche ich diese sofort in die Tat umzusetzen.
Fühlt sich gut an, mach ich.

Unsere Planung ist oft kurzsichtig, aber Gott sieht weiter. Viel weiter.

Vielleicht sollen wir manchmal in einer Situation etwas lernen. Das, was wir lernen sollen, hat nicht unbedingt immer etwas mit dem zu tun, was wir gern lernen würden. Gott sieht das oft anders.

Wer beispielsweise Geduld nötig hat, kommt ständig in Situationen, in denen er oder sie warten muss. Das können die banalsten Dinge sein. Die Mitmenschen sind schon längst damit durch. Aber man selbst muss warten. Worauf auch immer. Mit der Zeit wird man entspannter, wenn man durch Gottes Schule des Wartens gegangen ist. Ich habe schon oft gehört, dass Frauen, die Kinder haben, auf einmal von ihren Mitmenschen als entspannter wahrgenommen werden. Warum dies der Fall ist, lässt sich leicht erahnen. Mütter müssen geduldig sein. Sie haben keine andere Wahl, wenn sie ihre Kinder zu reifen und selbständigen Menschen erziehen wollen. Ich glaube, Gott sieht das mit uns ganz genauso. Indem wir geduldig etwas ertragen, werden wir weiser, lernen wir Geduld. Und das bringt letztendlich Hoffnung in unser Leben und vor allem Frieden.

Frieden: Wann hast du das letzte Mal einfach nur rumgesessen und dich entspannt, ohne dich abzulenken mit diversen Aktivitäten? Wann warst du zum letzten Mal einfach nur zufrieden, ohne etwas Bestimmtes tun zu müssen? Ohne dass dich etwas oder jemand gehetzt hat oder du dich hast hetzen lassen?
Ich finde, das ist sehr schwer, zu solch einer Zufriedenheit, zu solch einem Frieden zu gelangen.
Oft wird viel von uns verlangt; im Beruf, in der Familie, vom Partner, von Freunden, vielleicht denken wir, auch von Gott?
Um wirklich innerlich frei zu sein, brauchen wir Frieden.

Ich meine, inneren Frieden, nicht eine perfekte Umgebung. Inneren Frieden im Sturm, Frieden, wenn alles daneben geht, Frieden, wenn wir enttäuscht sind.
Diesen Frieden zu bekommen oder ihn sich zu erhalten, ist nicht leicht, und wir können diesen Frieden auch nicht herstellen.

Im Frieden zu leben, ist wirklich eine Entscheidung. Ich gehe zu Gott und sage: Bitte, hier hast du alle Dinge oder Menschen, die mich beschäftigen. Nimm sie, nimm mir die Probleme ab. Ich gebe sie dir. Finde du eine Lösung, die ich partout nicht finden kann.

Das klingt sehr entspannend, finde ich. Ich staune oft über Menschen, die eine schlimme Krankheit haben, aber offensichtlich ganz gelassen damit umgehen. Obwohl sie manchmal an der Schwelle zwischen Leben und Tod stehen, vertrauen sie Gott, komplett, mit ihrem ganzen Sein, mit ihren Gedanken und Gefühlen. Ich stehe meist hochachtungsvoll daneben und weiß nicht recht, wie diese Menschen es anstellen, so entspannt zu sein, trotz allem.
Ich glaube inzwischen, ihr Geheimnis ist: Identität.


Identität: In wem oder was suche ich meine Identität? In meinen Beziehungen, in meinem Beruf, in meiner Leistung, in meinen Kindern, in meiner Gesundheit?

Jesus hat einmal gesagt in Joh. 15,5 (Luther 2017): "...ohne mich könnt ihr nichts tun."

Wenn wir ohne Jesus oder Gott sowieso nichts tun können, warum machen wir uns dann Sorgen? Sorgen helfen nicht weiter. Sie ziehen höchstens noch mehr runter. Und trotzdem sorgen wir uns andauernd. Warum? Ich glaube, es hat mit mangelndem Vertrauen zu tun. Vielleicht glauben wir an Gott oder an ein höheres Wesen. Aber wir glauben oft nicht, dass Gott auch uns helfen wird. Dass er auch uns liebt. Die wenigsten von uns glauben das wirklich, tief in ihrer Seele.

Warum sollte ein so großer Gott sich um so kleine Menschen kümmern? 
Gute Frage. Die Überraschung ist: Er tut es. Jeden Tag. Und sein Plan für uns ist richtig. Er führt uns, wie Eltern ihr Kind an der Hand führen; auch, wenn wir es oft gar nicht merken.

Erst im Rückblick sehen wir dann, wie Gott es doch gut gemacht hat; besser, als wir es je hätten planen können.

Ohne Vorbereitung lässt Gott niemanden in den Kampf ziehen.

Wenn du auf Gott hörst, "gerätst du nicht in Torheit". Das heißt, du wirst nicht die falsche Entscheidung treffen. Und selbst wenn, wird Gott etwas Schönes daraus gestalten. Du siehst es nur erst im Nachhinein. Aber, du kannst mit Sicherheit sagen, du hast etwas daraus gelernt.








Montag, 25. März 2019

Gott dienen


Gott dienen; aber wie? Es gibt tausende von Möglichkeiten. Oft haben wir bestimmte Vorstellungen, wie wir Gott dienen möchten oder sollten. Ebenso oft hat Gott aber ganz andere Vorstellungen, wie er möchte, dass wir ihm dienen.

Unsere Motive mögen sehr gut sein; zum Beispiel möchten wir vielleicht Menschen helfen. Aber es gibt so viele Möglichkeiten. Was tun?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten.
Selbst, wenn wir Gott fragen, bekommen wir manchmal gar keine konkrete Antwort. Zumindest fühlt es sich so an. Vielleicht hat uns Gott die Antwort aber auch schon gegeben, nur wollen wir sie nicht wahrhaben, weil es nicht die Antwort ist, die wir hören wollen.

Wir haben so unsere Vorstellungen: Manches Mal denken wir...ok, wir brauchen Geld, um dies oder jenes anzustellen oder Zeit.

Das mag auch alles richtig sein. Aber Gott hat eben oft andere Wege und andere Möglichkeiten, die wir vielleicht gar nicht sehen oder nicht sehen können.

Sören A. Kierkegaard hat einmal gesagt "Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden."

Ein wahrer Satz. Allerdings ist es schwierig, sich beispielsweise in ein Auto zu setzen und loszufahren, ohne zu wissen, wohin man fahren will, ohne Plan, ohne Ziel.

Wo kommt man an, wenn man nicht weiß, wohin man fährt?

Als Christen können wir Gott fragen. Manchmal gibt Gott konkrete Antworten, wie wir ihm dienen können, manchmal ist es auch nur für eine bestimmte Zeitspanne.

Oftmals sollen wir auch erst einmal warten. Manchmal müssen wir noch etwas lernen, bevor wir losgehen können.

Niemand weiß, wie lange er lebt oder wie viel Zeit er noch hat.

Viele Wissenschaftler, Künstler, Maler, Musiker der Vergangenheit haben ihr Talent genutzt und auch ihre kurze Lebenszeit. Die meisten von ihnen waren zu ihren Lebzeiten nicht berühmt. Aber sie haben das getan, was ihnen auf dem Herzen lag.

Sie waren mutig, haben viel investiert - Zeit, Geld, zum Teil auch ihre Gesundheit - um zu erreichen, was ihnen wichtig war.

Heutzutage drängt sich einem manchmal das Gefühl auf, dass viele Menschen sich durch Dinge quälen, die ihnen überhaupt keinen Spaß machen. Sie üben einen Job aus, der ihnen keine Freude macht, um Geld zu verdienen.

Manche haben Kinder, für die sie Verantwortung übernehmen.
Sie tun es aus Liebe.

Bei Gott ist es auch so. Er liebt uns, deshalb überrascht er uns mit guten Dingen.
Manchmal erzieht er uns auch, so wie liebevolle Eltern ihre Kinder erziehen.

Wir können nur andere Menschen lieben, wenn wir wissen, wer wir sind. Wenn unsere Identität feststeht. Wenn wir uns über unsere Identität im Klaren sind.

Wir sind Kinder Gottes. Das ist unsere Identität.
In diesem Wissen können wir Gott und den Menschen in und aus Liebe dienen, egal, was wir machen, wo wir im Leben stehen; ob es uns immer Spaß macht oder nicht.

Der Plan Gottes für Jesus war, ans Kreuz zu gehen. Kein angenehmer Weg. Und trotzdem ist Jesus ihn aus Liebe zu uns gegangen. Er hat alles aufgegeben, um diesen Plan zu erfüllen. Für uns. Wir sind ihm wichtig.

Wenn man sich geliebt fühlt, möchte man etwas zurückgeben. Nicht aus egoistischen Motiven, sondern aus Liebe.

Und dazu braucht es keine Profis. Diene anderen, mit dem, was du hast. Es ist wertvoll. Du musst nicht alles können. Und du musst auch nicht das können, was der andere kann.

Was es auch ist; ob singen, tanzen, malen, Mode entwerfen, ein Instrument spielen, Fremdsprachen sprechen, backen, kochen, putzen - du kannst es im Reich Gottes für andere einsetzen.
Ob Teilzeit oder Vollzeit. Dafür sind diese Gaben da. Dafür hast du sie bekommen.



Dienstag, 19. Februar 2019

Step by Step - the metamorphosis


And we all, who with unveiled faces contemplate the Lord’s glory, are being transformed into his image with ever-increasing glory, which comes from the Lord, who is the Spirit. (2 Corinthians 3,18).

We all change. Every day. Sometimes, we don't realize it. Every time, I have to wait for something to happen or to be done, I learn patience - I change. 

Every time, I don't know what to do and I find a solution, 
I learn to solve problems - I change.

Every time, I call someone who is sick or needs my help, 
I learn how to be compassionate - I change.

I don't see it though.

When you are a kid and you grow into a teenager, you don't realize it every day that you are growing constantly in size, in wisdom and so on.


  Most of us want everything right now! Pronto. That's easier. 
  
  I experienced that I almost never get right away what I want. Sometimes, it takes days, sometimes months, and sometimes even years. I just can't help it. God never has the same comprehension of time as I do. For him, there is no time. 
  
  In heaven, there is no time. That's why you live forever over there. There is no dimension of time and space. It must be paradise. There is no one who stresses you out. No one who wants you to do chores or tasks. No one who tells you when to eat or sleep or have fun.

  It's God, you and the others. In peace, without stress. Just wonderful.

  But why do we have so much stress on this earth. There is always something to do. Someone to care for. Someone to help. Something to put in order. Something to regulate or organize.

  Never standing still. You are to do this and that around the clock. 24/7. After some years or even decades, you might get sick.

  God is different. Step by step, he transforms you into his image. Metamorphosis, from the caterpillar to the butterfly. It takes time and effort. It does not happen overnight. Sometimes, it takes too long and too much energy is wasted, we think.

  But in God's eyes, time and energy are not wasted. They are necessary to change us - into his image. More and more, day by day, step by step.

  ...and our faces are unveiled, as the text puts it. We are honest. We don't pretend. We don't wear masks. We are just ourselves. And that's enough. People, with whom you can't be your true self, just forget about them. You only have this one life on this earth. And time is short here.






Mittwoch, 19. Dezember 2018

Weihnachten - keine Romantik-Idylle


Wenn ich an Weihnachten denke, fällt mir als Erstes ein Wort ein - Stress.
Ich sehe eine riesige To-Do-Liste vor mir: Einkaufen, den Baum putzen, Geschenke kaufen, Andacht vorbereiten, Essen kochen, Freunde besuchen, Auto betanken, Leute anrufen, den Tisch decken und so weiter und so fort.

Aber damit nicht genug. Es kommt noch schlimmer. Das Schlimmste an Weihnachten ist, dass alle immer so tun, als sei die Welt in Ordnung. Eine heile Welt eben. Hoher Erwartungsdruck. Alles muss reibungslos laufen, das Essen pünktlich auf dem Tisch stehen, die Geschenke müssen verpackt sein und unter dem Baum liegen, alle müssen sich die ganze Zeit über vertragen, dürfen nicht streiten - kurz um: alles muss perfekt sein. Kein Wunder, dass da Streit vorprogrammiert ist.

Weihnachten, der reinste Materialismus.

Manchmal stelle ich mir vor, wie Gott wild im Himmel hin- und herläuft, Geschenke verpackt, den Baum schmückt, schaut, ob er auch niemanden vergessen hat. Und dann muss ich lachen. So ein Quatsch.

Die eigentliche Message von Weihnachten ist doch folgende:

Gott hatte einen Plan. Die Menschen hatten sich von ihm getrennt. Sie hatten Schuld auf sich geladen. Sie hatten das Vertrauen zu Gott gebrochen. Sie wurden aus dem Paradies vertrieben und aus der Erde wurde ein düsterer Ort.

Aber Gott gab nicht einfach auf und warf das Handtuch. Nein, obwohl es nicht seine Schuld war, dass der Mensch einfach alles Gute, das er hatte, von sich warf, setzte Gott sich noch einmal für die Menschen ein. Er versuchte, sie zurückzugewinnen.

Deshalb schickte er seinen Sohn Jesus auf die Erde. Das muss man sich mal vorstellen! Der allmächtige Gott, der alles geschaffen hat, kommt als das kleinste menschliche Lebewesen, das es gibt, als Baby auf die Erde. Ich meine, er ist Gott, allmächtig, allwissend, allumfassend. Und er kommt als Kind, als Baby in unsere Welt.

Mir kommt das so vor, als würde ein Mensch einer Ameise das Internet erklären wollen. Das ist krass, wirklich unbeschreiblich krass!

Aber er tut es. Gott selbst wird von einer Frau, und dann auch noch von einer Jungfrau, geboren.
Und die Situation, in die er hineingeboren wird, ist alles andere als eine heile Welt. Wohl eher scheinheilig.

Die Juden werden von den Römern unterdrückt und ausgenutzt. Die Eltern von Jesus, Maria und Joseph, müssen nach einer Unterkunft suchen und keiner will sie haben.

Letzten Ende landen sie in einem Stall, der einzigen Herberge. Zwischen Ochse, Esel und Schaf bekommt dann Maria ihr Kind. Vermutlich roch es in dem Stall nach Schweiß und Blut.

Und es kommt noch besser. Drei Ausländer, also die Weisen aus dem Morgenland, bekommen von Gott den Hinweis, dass der Retter der Welt geboren wurde, und kommen, um Jesus, das Kind, zu sehen. Sie bringen Geschenke mit, wertvolle Geschenke, das Beste seiner Zeit: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Hinzu kommt, dass der damalige König, Herodes, Jesus töten lassen wollte. Damit die Weisen nichts merken, tischt er ihnen eine Lüge auf. Angeblich will auch er dem Kind Ehre erweisen und fragt deshalb die Weisen, wo es denn geboren werden soll. Was für eine bodenlose Frechheit!

Aber Gott macht ihm einen Strich durch die Rechnung und zeigt den Weisen, dass sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurückkehren sollen, um damit Herodes einfach den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gute Idee.

Gott begegnet auch den Hirten, damals Menschen zweiter Klasse. Sie waren schmutzig und verachtet und hüteten sogar nachts ihre Schafe.

Gott kümmert sich um die von der Gesellschaft Ausgeschlossenen, um die Leidenden, um die, die Schmerzen haben. Für die Pharisäer dagegen hat er nichts übrig. Er verachtet sie.

So kommt es also, dass der Retter der Welt, Gott selbst, der rein und heilig ist, in einem stinkenden Stall zwischen Tieren geboren wird. Gott hat sich für uns so klein gemacht. Und dann stirbt Jesus auch noch an einem Kreuz, die am meisten verachtete Todesstrafe der damaligen Zeit. Angespuckt und verlacht, für uns. Er kann uns verstehen, falls uns mal wieder jemand dumm von der Seite anmacht, weil wir Christen sind. Oder, weil wir jemandem helfen, der von der Gesellschaft benachteiligt wurde. Aber über Gottes Gesicht huscht dann ein Lächeln. Er freut sich.

Sollte dein Weihnachten nicht perfekt werden, denke daran, das von Jesus war es auch nicht ...


Mittwoch, 24. Oktober 2018

Losgehen


"Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst." (Josua 1, 9; Luther 2017)

Oft warten wir. Lange Zeit. Wir glauben, Gott muss uns einen Engel vom Himmel schicken, der uns sagt, was wir wann wie tun sollen. Aber das ist oft nicht der Fall.

Es stimmt. Gott hat sein spezielles Timing für Situationen und Beziehungen. Aber das heißt nicht, dass er uns von jeglicher Verantwortung befreit.

Er hat uns Wünsche und Sehnsüchte ins Herz gelegt. Er hat uns mit Fähigkeiten ausgestattet. Er hat uns Menschen an die Seite gestellt und uns mit Motivation, Kampfgeist und Durchhaltevermögen ausgerüstet. 

Manchmal müssen wir einfach losgehen. Denn was passiert, wenn wir es nicht tun? Wir treten auf der Stelle. Wir drehen uns im Kreis. Manchmal werden wir das Gefühl nicht los, etwas verpasst zu haben, unsere Gaben nicht einzusetzen. Hast du auch manchmal dieses Gefühl? 

Die meisten Menschen heutzutage üben einen Job aus, der ihnen überhaupt keinen Spaß macht. Vielleicht, weil sie das Geld brauchen, um ihre Familie über Wasser zu halten, vielleicht auch, weil jemand krank ist. Vielleicht aber auch, weil sie sich nicht überwinden können, etwas Neues zu beginnen. Oder aber, weil sie schon zu oft etwas Neues angefangen haben. 

Wie auch immer die Situation sein mag: Stillstand ist Rückgang. Wer nicht nach vorn geht, fällt zurück. Wer nicht losgeht, bleibt stehen. Und das ist kein Zustand. Vielleicht ist es für eine kurze Zeit ertragbar. Aber mit der Zeit sehnen wir uns nach mehr.

Wenn du ein Studium beginnen willst, dann mach es. Wenn du Karriere machen willst, tue es jetzt. Wenn du eine Familie oder einen Partner willst, kümmere dich jetzt darum. Wenn du eine Mission für Gott auf dem Herzen hast, dann setze jetzt den ersten Schritt. Wer weiß schon, wie viel Zeit einem noch bleibt.
Vielleicht ist es auch irgendwann einmal zu spät dafür. Und dann bleibt nur noch die Reue.

Manchmal gehen wir aus Angst nicht vorwärts, obwohl wir wissen, dass wir etwas gut können und es auch anwenden sollten. Manchmal haben wir Angst vor den "Risiken und Nebenwirkungen". 

Aber wenn wir nicht losgehen, können wir auch nirgendwo ankommen. 
Und wenn wir nicht losfahren, kann Gott unser Auto auch nicht lenken.

Wenn du seit Jahren auf etwas wartest, begib dich jetzt auf die Suche danach. Sei mutig und du wirst sehen, was Gott daraus macht.

Wenn es dir hilft, hör auf andere Menschen. Aber hör vor allem auf Gott. Und wenn es dir nicht hilft, dann hör nur auf Gott und auf das, was er in dich hineingelegt hat.

Viel Spaß bei deinem neuen Abenteuer. Denn Gott verspricht dir: "Ich bin mit dir in allem, was du tun wirst." (Josua 1, 9; Luther 2017)



Mittwoch, 29. August 2018

Zum Guten...


"Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt." (Römer 8,28; Neues Leben.Die Bibel)

Zum Guten führt... Und dann auch noch "alles". Ich habe mich immer gefragt, was mit diesem Vers wohl wirklich gemeint sein könnte.

Wenn ich an einer schlimmen Krankheit leide und weiß, ich werde bald sterben; wenn ich von Kollegen gemobbt werde; wenn mich die eigene Familie verstößt; wenn ich ein Kind verliere; wenn ich aus einem Land flüchten muss, weil der Krieg mir alles genommen hat; wenn mir das Wetter Kopfschmerzen bereitet; wenn ich keinen Sinn im Leben sehe; wenn ich keine Freude habe; wenn ich das Gefühl habe, nie anzukommen; wenn mir bewusst wird, dass das Leben nur von kurzer Dauer ist; wenn...

"Alles zum Guten führt..." Das ist jedoch nur der 2. Teil des Satzes. Denn davor steht: "Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören..."

Erst einmal steht da: "Wir wissen..." Dieser Satzteil zeugt für mich von Erfahrung. "Wir wissen...". Dort steht nicht, "wir glauben" oder "wir gehen davon aus" oder "vielleicht dient das zum Guten". Nein. In Römer 8, Vers 28 steht: "Und wir wissen..." Das trifft. Der Autor dieses Buches der Bibel weiß, dass ihm ALLES zum Guten mitwirken oder dienen muss. Dies zeugt von einer tiefen Lebenserfahrung mit Gott. Von Wundern und Heilung, von Aufs und Abs, von Höhen und Tiefen, von Freude und von Leid. 

Dieses "ich weiß" drückt eine Beziehung zu Gott aus. Der Autor hat die Erfahrung gemacht, dass Gott da ist, wenn es darauf ankommt. Dass Gott hilft, wenn es darauf ankommt. Und selbst, wenn er nicht gleich hilft, wird die Situation positive Auswirkungen haben; auf das Wesen, den Charakter des Autors und auch auf die Menschen, die ihn beobachten. Wie reagiert er? Wirft er die Flinte ins Korn? Resigniert er? Verflucht er Gott? Oder sucht er seine Hilfe bei Gott? Ist Gott sein einziger, wirklich hilfreicher Trost? 

"Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt." (Römer 8,28; Neues Leben.Die Bibel)
Es ist Gott, der diesen Satz sagt. Nicht irgendwer. Gott, der Allmächtige höchstpersönlich; der, der dich liebt; der, der für dich am Kreuz von Golgatha gestorben ist und der, der für dich auferstanden ist, damit du ewiges Leben haben kannst. Der sagt diesen Satz. Und dieser Gott hat die Macht, dein Vertrauen zu bewahren, deinen Zweifeln liebevoll zu begegnen, deine Angst und deine Sorgen wegzunehmen, dich ans Ziel zu bringen. Manchmal ist das knallhart und für uns Menschen schwer zu verstehen, denn wir wollen natürlich nicht leiden und schon gar nicht ungerecht behandelt werden. In dieser Welt ist es schwer, nicht irgendwann einmal ungerecht behandelt zu werden. Jeder denkt nur an sich. Was einer heute sagt, ist morgen schon wieder Schnee von gestern. Und wenn sich einer für einen anderen einsetzt, wird er zum Feind.

Aber es gibt eine Hoffnung. Gott ist GERECHT. Er wird jedem zurückzahlen, was er oder sie verdient hat, sei es positiv oder negativ.

Gott formt manches Mal unseren Charakter und macht uns vielleicht nicht zu besseren, aber zu tiefer denkenden und fühlenden Menschen, zur Ermutigung für andere und zum Zeugnis für Menschen, die Gott noch nicht kennen.